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Das Onsernonetal

Ein wildes, tief eingeschnittenes V-Tal, das in seiner Ost-West-Orientierung auf den Lauf der Sonne ausgerichtet ist; steile, unwegsame Talflanken; auf halber Höhe des terrassierten Südhangs die an Felsen geklebten sonnigen Dörfer. Abseits von urbanen Zentren hat das Tal seine Stille und Ruhe, seinen ganz besonderen Zauber von Natur und Kultur bewahrt.

Es ist zu vermuten, dass die ersten Siedlungen und einfachen Formen der Bewirtschaftung des Tales auf die Römerzeit zurückgehen. Das erste Gotteshaus dürfte in den letzten Jahrhunderten des ersten Jahrtausends in Loco errichtet worden sein. Es ist San Remigio, dem Bischof von Reims, geweiht. Dies lässt auf die damalige Präsenz der Franken auf der Südseite der Alpen schliessen. Aus diesen Anfängen entwickelte sich nach und nach die Besiedlung des ganzen Tales, eine Talgemeinschaft, die sich während Jahrhunderten als „Comune d’Onsernone“ konstituierte. Der älteste uns bekannte Rechtsakt ist in einer Urkunde von 1224 dokumentiert.
Ab dem 16. Jahrhundert überlagerte die Strohindustrie die traditionelle auf Ackerbau und Viehzucht beruhende Subsistenzwirtschaft; ein Unikum in den lombardischen Alpen. Während mehr als drei Jahrhunderten war die Strohindustrie von grosser ökonomischer Bedeutung. Die intensiven Handelsbeziehungen, - die „Onsernonesi“ waren auf vielen Märkten im Piemont, in Flandern, in Frankreich und in der französischen Schweiz mit ihren Strohprodukten präsent, -  führten zu einem regen Kulturaustausch. Die Strohindustrie erlaubte im Verlauf der Jahrhunderte die Anhäufung eines nicht unerheblichen Reichtums. Davon zeugen einerseits die herrschaftlichen Häuser, die im 17. und 18. Jahrhundert in verschiedenen Dörfern erbaut wurden, andererseits die wertvollen Sakralgeräte und Gemälde einzelner Kirchen.

 

Das Museo Onsernonese

Das Museum begann 1966 auf Initiative einiger kulturell besonders interessierter und engagierter Onsernonesi mit seinen Aktivitäten. Es drohten die letzten Zeugnisse der Geschichte des Tales zu verschwinden. Ziel des Museums ist es, das kultur- und volksgeschichtliche Erbe der Region zu bewahren, zu erschliessen und zu vermitteln.

Das Museum befindet sich anfangs Loco in einem alten Onsernoneser Haus, direkt an der Talstrasse. Das thematische Spektrum der Ausstellung und der Sammlung ist breit: vom bäuerlichen Lebens- und Arbeitsalltag über die Strohindustrie bis zur Emigration, von der profanen und sakralen Kunst bis zu den Zeugnissen der Präsenz von namhaften Persönlichkeiten des europäischen Kulturschaffens. Bedeutungsvoll sind sowohl das Werk des Malers Carlo Agostino Meletta (1800, 1875) wie auch des Bildhauers Ermenegildo Degiorgi Peverada (1866, 1900), beide aus Loco. Die Bedeutung der Präsenz und des Wirkens von namhaften Künstlern und Kulturschaffenden im Tal, besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wurde und wird durch einzelne Studien (z.B. „L’Arca d’Onsernone. Terra di rifugio e di ispirazione.“) erschlossen und in der Dauerausstellung oder in Einzelausstellungen präsentiert.

 

Die Mühle von Loco

Die Mühle von Loco stammt aus dem 18. Jahrhundert. Sie wurde sorgfältig restauriert und wieder in Betrieb genommen. Seit 1991 wird mit den alten Mühlsteinen Mais zu Polentamehl vermahlen. Das „Museo Onsernonese“ schafft zudem die Voraussetzungen zur Wiederbelebung einer traditionellen Onsernoneser Spezialität, der „farina bóna“. Farina bóna ist ein aromatisches Mehl, das aus der feinen Vermahlung von gerösteten Maiskörnern gewonnen wird. Polentamehl und „farina bóna“ werden in der Mühle und im Museum verkauft.

Die Mühle liegt unmittelbar neben der Talstrasse am Bergbach Bordione oberhalb eines spektakulären Wasserfalls. Sie bildet zusammen mit der Mühle von Vergeletto ein lebendiges Zeugnis der Müllereitradition des Onsernone: Ende des 19. Jahrhunderts waren im Onsernonetal gut 27 Mühlen in Betrieb, heute sind die meisten verschwunden oder nicht mehr funktionsfähig. Im oberen Stockwerk der Mühle wurde eine Ausstellung eingerichtet, die über Geschichte und Technik der Kornmühlen des Onsernone informiert, im unteren Stock befinden sich die Mahlsteine, die durch ein vom Bordione angetriebenes externes Wasserrad in Bewegung versetzt werden.