Das Onsernonetal
Ein wildes, tief eingeschnittenes V-Tal, das in seiner Ost-West-Orientierung auf den Lauf der Sonne ausgerichtet ist; steile, unwegsame Talflanken; auf halber Höhe des terrassierten Südhangs die an Felsen geklebten sonnigen Dörfer. Abseits von urbanen Zentren hat das Tal seine Stille und Ruhe, seinen ganz besonderen Zauber von Natur und Kultur bewahrt.
Es ist zu vermuten, dass die ersten Siedlungen und einfachen Formen der Bewirtschaftung des Tales auf die Römerzeit zurückgehen. Das erste Gotteshaus dürfte in den letzten Jahrhunderten des ersten Jahrtausends in Loco errichtet worden sein. Es ist San Remigio, dem Bischof von Reims, geweiht. Dies lässt auf die damalige Präsenz der Franken auf der Südseite der Alpen schliessen.
Aus diesen Anfängen entwickelte sich nach und nach die Besiedlung des ganzen Tales, eine Talgemeinschaft, die sich während Jahrhunderten als “Comune d’Onsernone“ konstituierte. Der älteste uns bekannte Rechtsakt ist in einer Urkunde von 1224 dokumentiert.
Ab dem 16. Jahrhundert überlagerte die Strohindustrie die traditionelle auf Ackerbau und Viehzucht beruhende Subsistenzwirtschaft; ein Unikum in den lombardischen Alpen. Während mehr als drei Jahrhunderten war die Strohindustrie von grosser ökonomischer Bedeutung. Die intensiven Handelsbeziehungen, - die Onsernonesi waren auf vielen Märkten im Piemont, in Flandern, in Frankreich und in der französischen Schweiz mit ihren Strohprodukten präsent, - führten zu einem regen Kulturaustausch. Die Strohindustrie erlaubte im Verlauf der Jahrhunderte die Anhäufung eines nicht unerheblichen Reichtums. Davon zeugen einerseits die herrschaftlichen Häuser, die im 17. und 18. Jahrhundert in verschiedenen Dörfern erbaut wurden, andererseits die wertvollen Sakralgeräte und Gemälde einzelner Kirchen.